“Ich Warte Einfach Auf Den Richtigen Mann”

Die schillernde Pop-Diva über ihre Wünsche, ihre Musik, ihre Liebe zu Gott. Und warum sie sich so auf Weihnachten freut.

In Touch (DE) Number 49, 2005. Text by Julian Reichelt.

Das edle Townsend Hotel in Birmingham, Michigan. Suite Nummer 665. Gedämpftes Licht, Kerzenschein, auf dem Couchtisch steht eine beschlagene Flasche Schampus Marke Roederer Cristal. Auf dem Sofa, wie hingegossen: Mariah Carey, der erfolgreichste weibliche Pop-Star aller Zeiten. 16 Nummer-1-Singles, nur Elvis (18 Stück) und die Beatles (20 Stück) liegen noch vor ihr. Ihre Stimme ist ein sanft gekrächztes Hauchen, in ihrem Glas perlt der Champagner. Im In Touch-Interview spricht sie über ihren Erfolg, ihren Glauben und die Liebe.

Champagner? Ist das denn gut für die Stimme?
Ach, eigentlich ist nur Wasser wirklich gut für die Stimme. Aber das ist so langweilig. Und Champagner ist immer noch besser als Wein.

Ist Cristal Ihr Lieblingschampagner?
Ja, eigentlich schon. Aber neulich hat mir jemand eine ganze Kiste Dom Perignon Rosé, Jahrgang 1990, geschenkt. Mein Gott, der hat auch himmlisch geschmeckt.

Auf jeden Fall das richtige Getränk, um den Erfolg von The Emancipation Of Mimi zu feiern.
Ja, das stimmt. Ich bin überglücklich und erleichtert, dass es so gut läuft, weil es mein bisher persönlichstes Album ist. Neulich hat mich jemand gefragt: “Was hättest du eigentlich gemacht, wenn es nicht funktioniert hätte, so viel von dir selbst zu offenbaren? Wenn die Leute das nicht gewollt hätten?” Darauf hatte ich dann auch keine wirkliche Antwort.

Aber Ihre Fans lieben das Album. Warum eigentlich?
Ich glaube einfach, dass meine Musik viele Menschen durch besondere Phasen ihres Lebens begleitet hat. Eine deutsche Frau hat mir geschrieben, dass meine Lieder sie durch eine traumatische Scheidung getragen haben. Viele Menschen können sich mit mir identifizieren, weil ich zum Beispiel auch so eine furchtbare Ehe durchgemacht habe, von der ich heute nicht mal mehr weiß, warum ich sie eingegangen bin. So helfen zu können, ist ein Geschenk.

Ein Geschenk von Gott?
Ja, das glaube ich definitiv. Ich bin sehr dankbar dafür und gleichzeitig demütig, weil ich weiß, dass mir all das von ihm gegeben wurde. Ich schreibe meinen Erfolg nicht mir zu, sondern eben Gott. Alles, was in meinem Leben passiert, egal ob es mir gefällt oder nicht, sehe ich als seine Entscheidung. Selbst, wenn ich eines Tages nicht mehr da bin, hat er das so gewollt.

Sind Sie stolz auf das, was Sie erreicht haben?
Ich weiß nicht, ob Stolz das richtige Wort ist. Es ist wirklich eher Dankbarkeit für mein Leben. Ich hatte ja keine leichte Kindheit, und einmal hörte ich, wie meine Mutter sich mit einer Freundin unterhielt, und die sagte: “Wenn aus dem Mädchen etwas wird, ist es ein Wunder.” Und so sehe ich es.

Wie sieht Ihr Glaube aus? Beten Sie viel?
Sehr viel sogar. Ich brauche dafür meine Zeit, ruhige Momente, besonders abends. Wenn ich vor dem Schlafen nicht bete, wache ich nach kurzer Zeit wieder auf, weil mir einfach etwas fehlt.

Weihnachten steht vor der Tür. Spielt da für Sie der christliche Gedanke eine wesentliche Rolle?
Einerseits schon, denn wir feiern ja die Geburt Jesu Christi, und das gerät heute zu oft in Vergessenheit. Andererseits bin ich daran nicht ganz unschuldig, denn ich liebe Geschenke, das Beschenken, die Schlittenfahrten im Schnee, zusammen kochen, backen und Spaß haben.

Wie feiern Sie denn?
Ich treffe mich mit Freunden und Teilen meiner Familie im Skiort Aspen. Wir machen dann all das, was zu einer richtig kitschigen Weihnacht gehört. Santa Claus schaut in unserer Hütte vorbei und beschenkt die Kinder. Vielleicht verkleide ich mich sogar selbst mal als Santa Claus… Am meisten freue ich mich aber auf die Fahrten im offenen Pferdeschlitten.

Denken Sie bei diesem Familienfest nicht manchmal, dass es schön wäre, eine eigene Familie zu haben? Einen Mann?
Nein, ich bin sehr glücklich und zufrieden mit meinem Leben. Ich habe die Erfahrung der Ehe durchgemacht. Ich dachte, wenn ich Tommy Mottola (56) heiraten würde, würde er mir etwas mehr Freiraum gewähren und mich nicht mehr so total von der Außenwelt und meinen Freunden abschotten. Aber das war ein Irrglaube. Die Institution der Ehe ist mir sehr wichtig, und ich fühle mich heute schuldig dafür, geschieden zu sein.

Also keine Erfahrung, die Sie unbedingt noch einmal machen wollen?
Nein, ich will es nicht erzwingen. Ich warte einfach auf den richtigen Mann. Ich weiß nicht, wer er ist, wo er ist und wie er ist. Aber ich warte auf ihn. Und bis dahin gilt meine ganze Liebe Gott.